Auflagenhöhe

Wenn ein Verlag einen neuen Titel im Handel anbieten möchte, ist hierfür seitens des Handels keine Mindestauflage vorgegeben. Die Frage hinsichtlich einer Minimalmenge stellt sich dagegen vielmehr aus Sicht des Verlages in Zusammenhang mit einer Rentabilität. So wird der Break-even-Punkt erst ab einer gewissen Auflage zu erreichen sein.
Es sollte zum Beispiel beachtet werden, dass Speditionen bei Zeitschriften mit einer niedrigen Stückzahl und einem geringen Heftgewicht zunächst mit einem Pauschalsatz abrechnen, um die entstehenden Speditions-Fixkosten abdecken zu können. Eine Abrechnung nach Transportgewicht erfolgt erst dann, wenn eine gewisse Gewichtsgrenze überschritten wird. Nicht viel anders verhält es sich mit den Druckkosten. Auch hier entstehen unabhängig von der Auflagenhöhe Rüstkosten für das Einrichten der Druckmaschinen.
Als Orientierung für die Kalkulation einer minimalen Startauflage können nachfolgende Anhaltspunkte dienen.  

Die Zahl der zu beliefernden Verkaufsstellen
Verlage von Special-Interest-Titeln konzentrieren sich in der Regel zunächst allein auf den Bahnhofsbuchhandel. Wenn man nun berücksichtigt, dass bei diesem Vetriebskanal etwa 350 Standorte zur Verfügung stehen und man dabei einen Lieferdurchschnitt von ca. 3 Exemplaren pro Bahnhofsbuchhändler einplant, so käme man als grobe Planungsgrundlage auf 1.000 Stück und hätte zumindest die „wichtigsten" Verkaufsstellen im Bundesgebiet abgedeckt. Nach Vorlage der ersten Ergebnisse kann dann die Auflage nachfragegerecht angepasst werden und zusätzlich auch weitere Verkaufsstellen, wie zum Beispiel die über die Pressegrossisten betreuten Supermärkte und Tankstellen, beliefern.

Die Auflagen der Mitbewerber
Hilfreich ist es auch, ein Blick auf die Daten vergleichbarer Zeitschriften zu werfen. Wenn beispielsweise ein Nachrichtenmagazin „X“ in den Handel gebracht werden soll ist es zweckdienlich, sich an einen Titel „Y“ zu orientieren, der bereits seit mehreren Jahren in der gleichen Objektgruppe „Illustrierte/Politische Presse“ erscheint. Es dürfte recht unwahrscheinlich sein, dass das neue Magazin „X“ von der ersten Ausgabe an bereits mehr Exemplare absetzen kann als der dem Leser schon bekannte und vertraute Titel „Y“, noch dazu wenn die neue Zeitschrift ohne oder nur mit geringfügigen Maßnahmen beworben wird. Vielmehr zeigt die Erfahrung, dass neue Objekte „wachsen“ müssen und sich nur langsam in den Markt einfügen lassen. Natürlich ist ein neuer Verlag von seinem Produkt überzeugt. Jedoch steht eine Selbstüberschätzung dem Erfolg meist im Wege. Eine Auflagenstrategie nach der Methode „viel hilft viel“, die an der tatsächlichen Nachfrage vorbei läuft, birgt ein nicht unerhebliches, aber durchaus vermeidbares wirtschaftliches Risiko. Als Recherchemöglichkeit für Auflagenzahlen vergleichbarer Titel dient zum einen die IVW. Jedoch sind nicht alle Verlage als Mitglied dieser Gemeinschaft angeschlossen und lassen ihre Auflagenzahlen prüfen und veröffentlichen. Alternativ kann der vom Verlag beauftragte Vertrieb behilflich sein, indem er durch Gespräche mit den Bahnhofsbuchhändlern und Pressegrossisten die Marktsituation feststellt und somit dem Verlag einen Überblick über die Auflagengrößen der Mitbewerber verschafft.

Mengenanpassungen zu jeder Heftfolge
Der Mengenbedarf des Handels wird zu jeder Heftfolge neu angepasst. Hierbei erhalten ausverkaufte Verkaufsstellen einen Mengenzuschlag, bei anderen werden die Liefermengen reduziert, sofern die verkaufte Stückzahl deutlich geringer als die der angelieferten Exemplare war. Zudem werden Verkaufsstellen, welche wiederholt keine Verkäufe verzeichnen konnten, fortan dauerhaft von der Belieferung ausgeschlossen („ausgesteuert“).
Bei einigen Bahnhofsbuchhandelsketten können Anpassungen bereits nach der Startausgabe erfolgen. Hierbei kommt es darauf an, dass die jeweiligen Filialen online an die Zentrale des betreffenden Bahnhofsbuchhändlers angeschlossen sind. Der Disponent des Bahnhofsbuchhändlers kann in diesen Fällen tagesaktuell erkennen, wie oft der GTIN-Strichcode einer bestimmten Zeitschrift von der Kasse vor Ort bislang registriert wurde. Auch hier erfolgt bei ausverkauften Standorten ein Mengenzuschlag wohingegen die Mengen der Filialen, in denen kein Strichcode erfasst wurde, reduziert werden. Im letzteren Fall erhält die in Frage kommende Zeitschrift mit der zweiten ausgelieferten Ausgabe nochmals eine Chance sich am „Point of Sale“ „bewähren“ zu können. 
Abweichungen von dem zuvor genannten Verfahren können entstehen, wenn von einem höheren Nachfrageverhalten auszugehen ist. Diese gesteigerte Nachfrage nach einer Zeitschrift kann in erster Linie aufgrund von verkaufsfördernden Maßnahmen entstehen.
Siehe hierzu auch: „Auflagenhöhe versus Anzeigenverkauf“

VMP - Verkaufstägliche Marktbeobachtung am Point of Sale
Ähnlich wie zuvor am Beispiel des Bahnhofsbuchhandel erläutert, verfügt auch der klassische Einzelhandel, also jene Verkaufsstellen, die über das sogenannte Pressegrosso beliefert werden, über ein Analysemodell. Das 1996 begonnene VMP-Projekt startete ursprünglich mit 60 Verkaufsstellen. Im Herbst 2010 waren 13.389 der insgesamt über 120.000 deutschen Verkaufsstellen online angeschlossen. Durch dieses Verfahren soll auch ermöglicht werden, dass für Händler, bei denen ein Titel ausverkauft ist, eine automatische Nachlieferung veranlasst wird.