Verkaufspreis

Verlage, die einen Special-Interest-Titel in den Handel bringen wollen, sind oftmals schlecht beraten wenn sie einen hohen Verkaufspreis wählen, um damit die anfallenden Kosten (Personalkosten, Druckkosten usw.) decken zu können. Es wird dabei übersehen, dass der Verkaufspreis in aller Regel auch einen verkaufspsychologischen Aspekt aufweist.
Zeitschriften rentieren sich in erster Linie über den Verkauf von Anzeigen. Die Anzeigenpreise wiederum richten sich jedoch letztlich nach der Höhe der verkauften Auflage. Insofern sollte die erste Zielsetzung sein, zunächst eine möglichst hohe verkaufte Auflage erreichen zu können.

Die Kaufkraft der Zielgruppe beachten!

Natürlich ist es oberstes Ziel, möglichst rasch eine Rentabilität erreichen zu können. So erscheint es zunächst sinnvoll, einen „angemessenen“ Preis für die eigene Zeitschrift anzusetzen. Doch was der Verleger als „angemessen“ betrachtet, kann sich aus Sicht des Lesers als „zu teuer“ darstellen. Wenn man eine Zeitschrift für Kinder zum Thema „Dinosaurier“ produzieren möchte, dem Heft pro Ausgabe sodann auch noch ein entsprechendes Spielzeug in Folie verschweißt hinzugeben will, so mag unter Berücksichtigung der Produktionskosten ein Verkaufspreis von 9,00 Euro durchaus angemessen sein. Jedoch darf auch die geplante Erscheinungsweise nicht unberücksichtigt bleiben. Soll die Zeitschrift beispielsweise alle zwei Wochen erscheinen, so müsste die angesprochenen Zielgruppe „Kinder“ pro Monat 18,00 Euro ausgeben, um keine Ausgabe verpassen zu müssen. Dieser Wert überschreitet das übliche Taschengeld jedoch um ein vielfaches, wodurch sich der Verkaufspreis, so sinnvoll er aus erster Sicht des Verlegers auch erscheinen mag, schnell als Verkaufshemmnis entpuppt.

Hochpreisstrategie
Ein hoher Verkaufspreis erzeugt jedoch beim Leser vor allem dann eine hohe Kaufschwelle, wenn es sich bei der betreffenden Zeitschrift aus Sicht des Käufers um einen noch unbekannten Titel handelt. Gerade Special-Interest-Titel sind verstärkt auf Spontankäufe angewiesen. Diese bleiben aber allerdings dann aus, wenn der Leser beim Durchblättern zunächst nur einen groben Überblick bekommt und sich nicht sicher ist, ob der vom Verlag gewählte Verkaufspreis in Bezug auf den Heftinhalt überhaupt gerechtfertigt ist.

Niedrigpreisstrategie
Auf der anderen Seite bewirken aber auch sogenannte „Kampfpreise" mitunter einen negativen Effekt. Der Leser hat sich durchaus bereits daran gewöhnt, z.B. Fernsehzeitschriften zum Preis von 0,49 € im Handel antreffen zu können. Allerdings ist bei diesen Titeln auch die Erwartungshaltung des Käufers an die Zeitschrift nicht sonderlich hoch.

ungerade Preise vermeiden
Bei Special-Interest-Objekten, die sich mit den Interessen einer stark eingegrenzten Zielgruppe befassen, wird vom Leser ein qualitativ höherwertiger Inhalt vorausgesetzt. Ein Low-Budget-Produkt kann zwangsläufig nicht mit Qualitätsjournalismus einhergehen. Auch zeigt sich, dass Preise wie „5,99 €" beim Verkaufspersonal im Zeitschriftenhandel durch das notwendige Herausgeben von Wechselgeld im 1-Cent-Bereich nicht sonderlich auf Gegenliebe stößt.

Orientierung am Konkurrenzumfeld
Insofern sollte man sich zunächst an bereits im Handel erhältliche Titel, welche im gleichen thematischen Marktsegment angesiedelt sind, orientieren und den Heftpreis nach Vorlage erster Verkaufsergebnisse zu einer späteren Heftfolge entsprechend anpassen. Einen Überblick über die Verkaufspreise einzelner Zeitschriften, nach den jeweiligen Objektgruppen sortiert, bietet der Grossist Pressevertrieb Mecklenburg-West auf seiner Website an. Innerhalb der dort online dargestellten Objektgruppen lassen sich die jeweiligen Produkte sowohl alphabetisch als auch nach Preisen auf- oder absteigend anzeigen. Weitere Recherchemöglichkeiten haben wir hier zusammengestellt.

Verkaufspreise im Ausland
Oftmals stellt man fest, dass sich der von den Verlagen gewählte Euro-Verkaufspreis im Ausland vom Inlandspreis unterscheidet. Fragt man den einen oder anderen Verlag nach dem Grund für die Preisunterschiede, sind die hierfür genannten Argumente nicht immer schlüssig. Ursprüngliche Begründungen waren einst:
-          Zollkosten
-          Wechselkursschwankungen
-          Hohe Kosten für Auslandsüberweisungen
Diese Gründe sind im Laufe der Zeit innerhalb der EU hinfällig geworden. Einzig für Lieferungen in die Schweiz oder aber für EU-Länder, die nur per Luftfracht erreicht werden können, scheint ein sich nach Ländern abweichender Verkaufspreis sinnvoll. Bitte bedenken Sie also, dass ein unterschiedlicher Copypreis für die Leser im zunehmenden Maße nicht nachvollziehbar ist und sich die bisherige Praxis inzwischen verkaufshemmend auswirkt. Unterschiedliche Preisangaben werden dagegen vor allem von großen Verlagshäusern bewusst eingesetzt. Zwar möchte man den Anzeigenkunden durch das Auslandsangebot im Rahmen der Anzeigenakquise eine hohe Attraktivität des Titels anbieten. Gleichwohl sind die meisten Verlagshäuser auch an im Ausland beheimateten Verlagen beteiligt und insofern daran interessiert, dass die ortsansässigen Leser in erster Linie die dort erscheinenden Zeitschriften kaufen.